Gold- und Silberschmiede

Gold - und Silberschmiede

Wer waren die Friedberger Gold- und Silberschmiede?

 

Im 17. und 18. Jahrhundert, der „Friedberger Zeit“, gehörten alle Handwerker, die Metall verarbeiteten, zur Hammerlzunft: die Uhrmacher, die Schlosser, die Messer- und Kupferschmiede, die Spengler, die Zinngießer, die Büchsenmacher und die Gold- und Silberschmiede. Von letzteren wird oft übersehen, dass auch sie neben den Uhrmachern für die Geschichte Friedbergs von großer Bedeutung waren und sehr zum Ansehen Friedbergs in vergangenen Zeiten beitrugen.

Im 16. Jahrhundert, als die Schwiegermutter Herzog Wilhelms V., Christine von Lothringen,  im Schloss wohnte, arbeiteten mindestens vier Goldschmiede in Friedberg: die Meister Endriß, Nassein, Hans Garrett und Andreas Attemstett. Sie arbeiteten vor allem für das Herzogshaus, da Wilhelm V. alles liebte, was schön und teuer war. Besonders Uhrmacher und Goldschmiede standen bei ihm in hohem Ansehen. Sie erfüllten seinen Bedarf an Tafelsilber, Tafelaufsätzen und repräsentativen Prunkgefäßen. Zentrum des europäischen Gold- und Silberschmiedehandwerks war zu dieser Zeit das nahe Augsburg. Als nach dem Dreißigjährigen Krieg die Uhrmacher Friedberg zu europaweitem Ansehen verhalfen, waren auch die Gold- und Silberschmiede maßgeblich daran beteiligt. Die Goldschmiede gestalteten vor allem Schmuck. Die Silberschmiede stellten sakrale Geräte her, wie Kelche, Monstranzen, Ziborien, Altarkreuze, Leuchter, Messkännchen, Patenen, Weihrauchfässchen und -schiffchen, und Wandlungsglocken. Aber auch profane Gefäße und Essbesteck gehörten zu ihrem Aufgabenbereich.

Aus dem Goldschmiedeberuf  haben sich neue Berufsfelder entwickelt, die in den Matrikelbüchern der Pfarrei St. Jakob oft mit den lat. Bezeichnungen aurifaber (Goldschmied), auricussor (Goldschlager), celator (Reliefbildhauer), argentarius (Silberhändler), argentifaber (Silberschmied) etc. angegeben werden. Aus eben diesen Matrikelbüchern lassen sich mindestens 33 Namen von Gold- und Silberschmieden nachweisen.

In mehreren Generationen arbeiteten zur „Friedberger Zeit“ die Familien Ernst und Niggl. Die Familie Ernst stammte wohl aus einer Goldschmiedfamilie aus Augsburg, die Familie Niggl kam wahrscheinlich aus Mittenwald. Der Goldschlager Caesar Thomas Saravia kam aus Italien, Johann Michael Stahl aus Schwäbisch Gmünd, dem damaligen Zentrum für Bijouteriewaren. Die Goldschmiede fertigten den Schmuck, den die Friedberger Frauen im 18. Jahrhundert gerne trugen, Miederhaken mit reich gestalteten Schmuckblättern, Miederstecker, ziselierte Gollermaschen,  oft mehrere Lot schwere silberne Erbsketten als Miedergeschnür und als Halsketten und Anhänger. Davon zeugen einige Bilder im Museum. Die Glieder der Erbsketten waren oft sehr groß, so dass sie dem Betrachter der Bilder wie Perlenketten vorkommen.

Sicher waren die Goldschmiede auch an der Uhrenherstellung beteiligt. Es sind mehrere „Uhrkettenmacher“ nachzuweisen, daneben auch Gehäusemacher. Carl Brökl wird als „Geheißstecher“ bezeichnet, Johann Sebastian Niggl als Goldschmied und „Geheißmacher“. Ob sie allerdings bei der Herstellung der prächtigen Gehäuse der Kutschenuhren, die oft allegorische Szenen aus der Mythologie zeigen, beteiligt waren, ist ungeklärt. Diese werden in der Regel auswärtigen, vor allem Augsburger Silberschmieden zugeschrieben.

Wegen der großen Bedeutung der Gold- und Silberschmiede im 18. Jahrhundert ist es erfreulich, dass alle drei Jahre Goldschmiede an der Friedberger Zeit teilnehmen. Frau Werner-Dick hat für das 7. Stadtfest 2010 ein Votivherz nach einem Vorbild aus dem 18. Jahrhundert als „Friedberger Herzl“ angeboten.

Der bedeutendste Gold- und Silberschmied im 18. Jahrhundert war Johann Niggl, der 1731 die große Monstranz für die Pfarrkirche schuf. Sie zählt zu den bedeutendsten Kunstschätzen, die die Stadt Friedberg hat. 

In der Stadtpfarrkirche St. Jakob wird an hohen Festtagen, wie dem Patrozinium und dem Fronleichnamsfest, der eucharistische Segen mit der prächtigen Monstranz des Friedberger Goldschmieds Johann Niggl erteilt.

Gabriele und Dr. Hubert Raab

Historische Berater der Friedberger Zeit